Ödeme werden zunächst konservativ (nicht-operativ) behandelt. Die Basis bildet hier die Kombinierte Physikalische Entstauungstherapie (KPE), welche sich in zwei Phasen gliedert:

  1. Die Entstauung und Reduzierung des Ödems
    • alle Teile der KPE sollen täglich zur Anwendung kommen
    • die Behandlungen können ambulant oder stationär (in Fachkliniken) stattfinden
  2. Die Konservierung und Optimierung des Therapieerfolgs
    • die Häufigkeit der Behandlungen wird an den individuellen Bedarfen angepasst

 

Die KPE setzt sich aus folgenden Teilen zusammen:

  • Manuelle Lymphdrainage
    Bei der Manuelle Lymphdrainage (MLD) handelt sich um eine spezielle Behandlungstechnik, bei welcher der Lymphabfluss mit den Händen („manuell“) unterstützt und die Eigentätigkeit des Lymphgefäßsystems angeregt wird. Die MLD wird von speziell fortgebildeten Physiotherapeuten/innen oder Masseuren/innen durchgeführt. Studien haben gezeigt, dass eine alleinige Behandlung mit MLD nicht effizient ist, sondern grundsätzlich mit einer Kompressionstherapie kombiniert werden muss. Die besten Ergebnisse erzielt die MLD (+ Kompression) bei einseitigen Armlymphödemen infolge von Brustkrebserkrankungen. Je nachdem wie groß die betroffene Körperregion ist, hat eine MLD-Einheit einen zeitlichen Umfang von 30-60 Minuten und wird entsprechend von ihrem Arzt oder ihrer Ärztin verordnet.
  • Kompressionstherapie
    Durch Kompression wird der Druck auf die Venen und das Gewebe erhöht, sodass sich dort weniger Lymphe ansammeln kann. Zudem unterstützt Kompression den Rückfluss des venösen Blutes und kann dadurch die Auswirkungen einer Venenschwäche eindämmen. Diese Kompression kann durch Bandagen, Strümpfe oder apparative Verfahren erfolgen. Die Wirksamkeit von Kompression in der Prävention und Behandlung von Lymphödemen konnte durch zahlreiche Studien belegt werden. In Phase 1 soll die Kompression mit Wickelverbänden erfolgen. In Phase II erfolgt eine Versorgung mit individuell angefertigten Kompressionsstrümpfen. Die Strümpfe werden von ihrem/r Arzt/Ärztin verschrieben, und ihnen vom Sanitätshaus individuell angepasst und angefertigt.
  • Hautpflege
    Vor allem bei Lymphödemen neigt die Haut vermehrt zu Irritationen und Schädigungen. Im schlimmsten Fall kann es zu einer bakteriellen Infektion, dem Erysipel, kommen. Durch eine konsequente Hautpflege kann diesen Zuständen effektiv vorgebeugt werden. Spezielle Cremes können von ihrem/r Arzt/Ärztin verschrieben werden oder werden vom Sanitätshaus angeboten.
    Zu beachten ist, dass sich die Hautpflegeprodukte mit den Kompressionsstrümpfen „vertragen“: Viele Cremes (oder auch Waschmittel) enthalten beispielsweise Weichmacher, welche auch auf das Strumpfmaterial wirken und den Kompressionsdruck reduzieren. Die Folge ist, dass die Strümpfe ihre Wirkung verlieren und somit unbrauchbar sind. Deshalb sollten ausschließlich spezielle schonende Produkte für die Hautpflege und Reinigung der Strümpfe genutzt werden.
  • entstauungsfördernde Sport-/Bewegungstherapie
    Ein nicht zu unterschätzender Teil der KPE ist die körperliche Aktivität. Durch Bewegung wird die sog. Muskel- und Gelenkpumpe aktiviert, welche eine entstauungsfördernde Wirkung auf das Gewebe erzielt. Zum einen wir die Eigenaktivität der Lymphgefäße unterstützt, und zum anderem eine Komprimierung von außen erzeugt. Darüberhinaus ist Sport und Bewegung hinsichtlich der Tatsache, dass Fettleibigkeit einen wesentlichen Risikofaktor für Lymphödeme darstellt, eine entscheidende Maßnahme zur Regulierung des Körpergewichts. Hingegen sind Lipödeme – entgegen der häufigen Annahme – nicht durch eine Gewichtsreduktion zu beeinflussen. Diäten sind also keine ursächliche und zielführende Therapie bei Lipödemen. Zu gesunder Ernährung und regelmäßiger körperlicher Aktivität ist dennoch zu raten, da die allgemeine Gesundheit in jedem Fall hiervon profitiert. Geeignet sind vor allem Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking. Sprechen Sie mit den Physiotherapeuten/innen und Ärzten/innen darüber!
  • Aufklärung und Schulung zur individuellen Selbsttherapie
    Die umfangreiche und lebenslang andauernde Therapie von Lymph- und Lipödemen, sowie möglicherweise nicht zufriedenstellende Therapierfolge, können zu einer hohen psychischen Belastung führen. Eine umfassende Aufklärung und Schulung der Betroffenen kann diese Belastung reduzieren, bzw. Strategien vermitteln, wie man mit ihr umgehen kann.

Wichtig: Keine der Behandlungsverfahren sollte isoliert angewendet werden, da sie für sich allein nur einen geringen oder keinen Effekt besitzen. Nur in Kombination kann die KPE wirksam werden.

 

Operative Therapien
Wenn bei konsequenter Anwendung der konservativen Therapie (KPE) über einen längeren Zeitraum der Therapierfolg ausbleibt oder sich der Zustand verschlechtert, sowie bei entsprechend hohem Leidensdruck der Betroffenen, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Bei Lymphödemen besteht die Möglichkeit einer Transplantation von Lymphgefäßen oder dem Anlegen von sog. Anastomosen (vergleichbar einem Bypass am Herzen), welche den Lymphstrom umleiten. Bei Lipödemen ist das Mittel der Wahl die Liposuktion („Fettabsaugen“). Gröbere Hautdefekte können ebenfalls chirurgisch behandelt werden.