Jede ärztliche und therapeutische Untersuchung beginnt mit einer sog. Anamnese, in welcher sie nach gesundheitsrelevanten Informationen befragt werden. Im Kontext von Lymph- oder Lipödemen ist beispielsweise wichtig, ob es eine Verletzung/Erkrankung oder familiäre Häufung gibt, welche die Ödementstehung begünstigt haben könnten. Darüber hinaus wird nach dem Auftreten und dem bisherigen Verlauf der Beschwerden gefragt und sie berichten über die individuellen Einschränkungen, wie z.B. Schweregefühl oder die Enge von Schmuck oder Kleidung. In der Anamnese versucht der Arzt/die Ärztin bereits mögliche Hinweise auf eine schwerwiegende Krankheitsursache (z.B. Tumore) zu erkennen bzw. auszuschließen.

In der Inspektion wird das klinische Erscheinungsbild der Erkrankung betrachtet. Welche Ausmaße hat das Ödem? Welche Körperbereiche sind betroffen? Gibt es Hautauffälligkeiten oder -defekte?

Im anschließenden Tastbefund, der sog. Palpation, werden die Lymphknoten nach Größe, Konsistenz, Verschieblichkeit und Druckempfindlichkeit beurteilt. Das Ödem wir ebenfalls bezüglich der Konsistenz betastet. Zudem wird durch Fingerdruck die Dellbarkeit geprüft. Lipödeme, sowie fortgeschrittene Lymphödeme sind zeigen keine anhaltende Delle nachdem man mit dem Finger Druck ausgeübt hat. Leichte bis mittelgradige Lymphödeme behalten eine Delle für einige Sekunden nach dem Fingerdruck. Inwiefern eine Verhärtung des Unterhautgewebes vorliegt, wird mit dem sog. Stemmer-Zeichen geprüft. Hierbei wird versucht an Zehen oder Fingern eine Hautfalte abzuheben. Gelingt dies aufgrund vorliegender Verhärtungen nicht, spricht man von einem positiven Stemmer-Zeichen. Lipödeme zeigen in der Regel ein negatives Stemmer-Zeichen.

Stadium 0 keine sichtbare Schwellung
Stadium I Ödem von weicher Konsistenz, Hochlagern reduziert die Schwellung
Stadium II Ödem mit Gewebeveränderungen (z.B. Verhärtungen), Hochlagern beseitigt die Schwellung nicht
Stadium III deformierende harte Schwellung, z.T. mit typischen Hautveränderungen

Aufgrund dieser Basisdiagnostik besteht ausreichend Sicherheit für die Diagnosestellung, wenn keine relevanten Begleiterkrankungen vorliegen und sich das Lymphödem in einem fortgeschrittenen Stadium (ab Stadium II) befindet. Ist dies nicht gegeben, so wird eine weiterführende Diagnostik mittels Bildgebung, Laboruntersuchungen oder genetischer Diagnostik, empfohlen.